Jetzt ist es ja nicht so, dass man da trotz Freistellung von der Arbeit gerne hingeht. Die klassischen Argumente sind ja immer: Abwechselung, nur rumsitzen und zuhören, kein Stress auf der Arbeit uns so weiter. Meine Motivation, acht Stunden in einem Seminarraum zu sitzen und den Worten, eines von seiner Aufgabe erfüllten Erste-Hilfe-Ausbilders (in meinem Fall -Ausbilderin) zu lauschen, ging jedenfalls gegen null. Also beschloss ich ich das ganze mit Humor anzugehen, um somit zu vermeiden, gelangweilt auf meine wissbegierigen Mitstreiter zu wirken.
Und schwupps, hatte ich auch schon die Einleitung der etwas korpulenteren, 1,60 großen jungen Frau verpasst. Was mir gleich auffiel, waren die zartweißen Ränder, die unter Ihren Armen an der Bluse zum Vorschein kamen. Unter jenem Rand hatte die Bluse eine mittelbraune Farbe, darüber färbte Ihr Schweiß sie tiefbraun bis schwarz. Wiiiiiderlich!
Schon wieder nicht aufgepasste! Um was ging´s denn jetzt? Ah, TÜV und 1. Hilfe-Kasten im Auto: Es sei schon in Ordnung, dass man denjenigen, die ihren 1. Hilfe-Kasten nicht auf aktuellem Stand haben die Plakette verwehrt. Meine Frage, ob man sich in solch einem Fall nicht besser vorher bei einem Kumpel den Kasten hätte leihen sollen, stieß auf Entrüstung.
"Weiß jemand von Ihnen, wer die Sache mit den Verbandskasten erfunden hat?" war die nächste, meines Erachtens völlig unwichtige und uninteressante Frage. "Oh Gott, ´s wird doch nicht schon wieder de Hitler gewesen sein!" dachte ich. Zumindest glaubte ich es gedacht zu haben. Die Reaktion der übrigen Anwesenden ließ andere Schlüsse zu.
Nachdem sich die 15 weit aufgerissenen Augenpaare wieder von mir gelöst hatten, ging´s weiter im Text: Transport von Verletzten, um sie entweder aus dem Gefahrenbereich zu entfernen oder aber, um den Sanitätern Zugriff zu verschaffen. Es begab sich, dass McDonalds Mitarbeiterinnen mit im Kurs saßen, was unsere inzwischen immer stärker schwitzende Ausbilderin nutzte, um uns mit praxisnahen Beispielen bei Laune zu halten: "Bei Ihnen in die Küche dürfen wir aus hygienischen Gründen vermutlich auch nicht so ohne weiteres rein." Mein Hinweis, dass man einen Verletzten in diesem Fall ja problemlos auf dem friteusenfettverschmierten Boden rausziehen kann, wäre vermutlich ein riesen Brüller geworden, hätte ich mir zuvor nicht diesen Hitler-Fauxpas erlaubt. Somit verebbte die Pointe ohne jegliche Reaktion meinen Mitstreiter.
Mittlerweile ging es um Schockzustände: Aussage von "Lady-Sweat": Frauen, Demente und Kinder kühlen schneller aus... Lassen wir mal so stehen.
Immer wieder amüsierte mich der Style der mit Kunstblut geschminkten Personen, die auf den aufgelegten Folien zu sehen waren. Feinster Oldschool mit Newschoolcharakter. Den
fachmännisch abgenommenen Helm eines verletzen Motorradfahrers beispielsweise, hätte Evel Knievel zu seinen Glanzzeiten tragen können. Und auf einen Verkehrsunfall bitte ich künftig, so wie rechts abgebildet, aufmerksam zu machen:Uns so ging das immer weiter und weiter und weiter. Zeitlupe. Die Zeiger an der Uhr scheinbar festgeklebt. Für körperliche Ertüchtigung sorgten dann noch, die von mir schon mit Grauen erwarteten Partnerübungen: Verbände anlegen und stabile Seitenlage. War letztlich nicht der Aufregung wert, alles überstanden.
Aufmerksam wurde ich kurzzeitig noch einmal, als die Ausbilderin fragte, ob sich jemand vor Blut ekelt. Vor was ich mich von Stunde zu Stunde mehr ekelte, waren die immer größer werdenden Schweißränder unter den Armen von "Lady-S.": Sie hatten sich bis zum Becken hinunter ausgebreitet. Der harte, weiße Rand auf Brusthöhe verblasste hin zur Speckrolle und ging an der Hüfte nahtlos in das Braun der Bluse über.
Bei diesem abschließenden Eindruck möchte ich es belassen und bedanke mich für Eure Aufmerksamkeit!
Achtung Abschluss-Gag: "Nicht Hilfe rufen, sondern Freibier!" Ein Brüller unter Sanitätern!
